Hinter den sieben Gleisen

von Kurt Früh, 1959, 103 min.

Drei Stadtstreicher, sehr verschiedene Charaktere, leben verantwortungslos am Rande eines Rangierbahnhofs in Zürich in den Tag hinein. Eine Mutter mit ihrem Säugling, die in ihrem Verschlag Schutz sucht, zwingt sie vorüberge- hend Verantwortung zu übernehmen.

Der Film entwickelt einen kritischen Querschnitt der städtischen Gesellschaft der 1950er Jahre und bedient sich dabei der Perspektive verachteter Außen- seiter. Humorvoller Moralismus verbindet sich mit märchenhafter Stimmung, die von der Musik von Walter Baumgartner wesentlich mitgeprägt ist. Eine Besonderheit für sich stellt der gesungene Vorspann dar. Der Film gilt neben „Bäckerei Zürrer“ als zweites Hauptwerk des Regisseurs Kurt Früh (1915- 1979). Mit Max Hau er, Zarli Carigiet, Ruedi Walter oder Ettore Cella treten einige der wichtigsten Schweizer Schauspieler der Zeit auf.

Regie: Kurt Früh I Drehbuch: Kurt Früh, Hans Hausmann
Kamera: Emil Berna I Musik: Walter Baumgartner
Darsteller: Max Hau er, Zarli Carigiet, Ruedi Walter, Hannes Schmidhauser, Margrit Rainer, Ettore Cella I Verleih: Praesens-Film, Zürich

Hans im Glück

Hans im Glück, Peter Liechti

von Peter Liechti 2003, 88 min.

Peter Liechti, sich selbst spielend, beschließt das Rauchen aufzugeben. Ein Fußmarsch von Zürich nach St. Gallen, seiner Heimatstadt, soll, verbunden mit einem strikten Rauchverbot, diesem Ziel dienen. Auf seiner Reise begeg- net er einem Reigen sehr verschiedener Menschen, deren Schicksale er mit Offenheit und Empathie schildert.
Der semi- ktionale Dokumentar lm wirft einen kritischen Blick auf das Land und ist zugleich ein unprätentiöses und ironisches Selbstbild des Schweizer Ausnahmeregisseurs. Peter Liechti (*1955), der leider 2014 seiner Krank- heit erlag, entwickelte einen eigenen Stil des dokumentarisch-essayistischen Kunst lms. Zu seinen wichtigsten Werken zählen insbesondere „Signers Koffer“ (1996) und „Vaters Garten“ (2013).

Regie, Drehbuch, Kamera: Peter Liechti
Musik: Norbert Möslang I Verleih: Peter Liechti Filmproduktion, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Strähl

Strähl, Manuel Flurin Hendry

von Manuel Flurin Hendry, 2004, 80 min.

Strähl, ein medikamentensüchtiger Kriminalpolizist, ist in der Zürcher Langstraße in der Drogenbekämpfung tätig. Seine Cholerik und unkonventionellen Ermittlungsmethoden bringen ihn immer wieder an den Rand des Gesetzesbruchs. Schließlich eskaliert die Situation soweit, dass er selber des Drogenhandels beschuldigt wird.

Das spannende und aktionistische Drama wirft ein grelles Licht auf das Milieu von Drogenhändlern und Abhängigen vor dem Hintergrund des übernational bekannten Rotlichtviertels der Stadt. In der Hauptrolle agiert eindrücklich Roeland Wiesnekker, der für seine Darstellung den Schweizer Filmpreis für den Bester Hauptdarsteller gewann.

Regie: Manuel Flurin Hendry I Drehbuch: Michael Sauter, David Keller Kamera: Filip Zumbrunn I Musik: Michael Sauter
Verleih: Dschoint Ventschr, Zürich

Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Die Schweizermacher

Die Schweizermacher, Rolf Lyssy

von Rolf Lyssy 1979, 104 min. Abschlussfilm

Zwei Beamte der Kantonspolizei Zürich sind beauftragt, über Anwärter auf das Schweizer Bürgerrecht ein Gutachten zu erstellen, das sich sowohl auf gehei- me Beobachtung wie auch auf of zielle Kontaktaufnahme stützen soll. Die Be- werber entstammen sehr verschiedenen sozialen Verhältnissen und Nationen, was dazu führt, dass unterschiedliche Erwartungen an sie gestellt werden. Es entsteht eine Vielzahl komischer Verwicklungen. Zwischen dem pedantischen, älteren Polizisten und dem jüngeren Berufseinsteiger kommt es wegen ihrer unterschiedlichen Weltsichten zu zunehmenden Konflikten.

Der Film ist sowohl ein schlagend inszenierte Komödie als auch eine Satire auf die schweizerische politische Mentalität. Zusätzlich exponiert er den Generationenkon ikt, der in den 1970er Jahren, genau wie in Deutschland, in großer Schärfe aufbrach. Die beiden Hauptrollen übernahmen Walo Lüönd, einer der unbestritten wichtigsten Schweizer Charakterdarsteller der zweiten Jahrhunderthälfte, und Emil Steinberger, der sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland über Jahrzehnte als Kabarettist bekannt war.

Regie: Rolf Lyssy I Drehbuch: Rolf Lyssy, Christa Maerker
Kamera: Fritz E. Maeder I Darsteller: Walo Lüönd, Emil Steinberger, Wolf- gang Stendar, Claudio Caramaschi, Beatrice Kessler, Hilde Ziegler
Verleih: Frenetic, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Wachtmeister Zumbühl

Wachtmeister Zumbühl, Urs Odermatt

von Urs Odermatt, 1994, 103 min.
in Anwesenheit des Regisseurs

In einem Dorf im Kanton Nidwalden lebt der Wachtmeister Zumbühl gemeinsam mit seinem Sohn Albin. Zumbühl, ein überkorrekter, manchmal besserwisserisch, ist bei den Honorationen wenig beliebt. Nach einer Intrige quittiert er den Dienst und wechselt den Beruf. Als er seinen Sohn eines schlimmen Verbrechens verdächtigt, gerät Zumbühl in einen Gewissenskonflikt zwischen seinem Rechtsempfinden und der Solidarität gegenüber seinem Sohn.

Das realistische Kriminaldrama ist visuell inspiriert durch die Fotografien von Arnold Odermatt. Der Vater des Regisseurs stand Jahrzehnte lang im Dienste der Nidwaldner Verkehrspolizei und fertigte als begeisterter Fotograf Bilder von Unfallsituationen an. Sein fotografisches Werk hat, mittlerweilen verstanden als Kunstleistung, in den letzten zwanzig Jahren internationale Beachtung erfahren. Der Film feiert in einer neu restaurierten Fassung auf dem Festival seine Uraufführung. In den drei Hauptrollen treten Michael Gwisdek, Anica Dobra und Jürgen Vogel auf, deren Stimmen in Nidwaldner Deutsch synchronisiert wurden.

Parallel findet in Zusammenarbeit mit der Galerie Springer aus Berlin eine Ausstellung mit Fotografien Arnold Odermatts statt, die dieser während der Dreharbeiten zum Film realisierte.

Regie, Drehbuch: Urs Odermatt I Produktion: Rudolf Santschi
Kamera: Rainer Klausmann I Musik: Norbert J. Schneider
Darsteller: Michael Gwisdek, Anica Dobra, Jürgen Vogel, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Siggi Schwientek, Roeland Wiesnekker
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Restaurierung und Digitalisierung des Filmes durch Kulturwerkstatt Nordwest