Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz

beresina, Daniel Schmid

von Daniel Schmid, 1999, 108 min.

10. April I 20 Uhr

In gewohnter zynischer Manier nimmt sich Daniel Schmid in Beresina der vielen Klischees um seine Heimat an. Alles spielt sich in den höheren „besseren“ Kreisen der Gesellschaft ab. Ein russisches Callgirl, das gebrochenes Deutsch spricht, wird zum Bindungsglied zwischen skurrilen alten Männern und ihren sexuellen und sonstigen Neurosen. Als Belohnung für ihre Dienste soll sie den begehrten Schweizer Pass erhalten.

„BERESINA entstand aus dem Bedürfnis, dem Land, in dem wir aufgewachsen sind und das uns geprägt hat, eine Liebeserklärung zu machen. Realität benötigt die Irrealität, um real zu sein, das heißt, sie benötigt das Imaginäre.“ (Daniel Schmid)

Regie: Daniel Schmid I Drehbuch: Martin Suter I Darsteller: Yelena Panova, Martin Benrath, Geraldine Chaplin, Ulrich Noethen, Stefan Kurt, Peter Simonischek I Verleih: Frenetic
Fassung: Deutsche Originalversion

Vorfilm:
Caroline Schenk macht körperbetonte, feministische Performances. In Sous-vide, 2018, 1 min. 30 sek., bleibt ihr die Luft weg.

not so easy

not so easy, Alberto Ruano

von Alberto Ruano, 2015, 22 min.

9. April I 20 Uhr

In not so easy, 2015, 22 min. von Alberto Ruano reisen zwei Schweizer in den Iran, um aus erster Hand in Erfahrung zu bringen, wie schlecht es um dieses Land bestellt ist. Was sie dabei im Interview mit drei Iranern erfahren, lässt ihnen die Haare zu Berge stehen.

Bäckerei Zürrer

Bäckerei Zürrer, Kurt Früh

von Kurt Früh, 1957, 104 min.

10. April I 18 Uhr

Der verwitwete Bäckermeister Zürrer musste seine drei Kinder alleine großziehen. Es missfällt ihm, dass sein jüngster Sohn, der die Bäckerei übernehmen soll, von der Tochter des italienischen Kleinhändlers Pizzani ein Kind erwartet, da er sie nicht in seiner Familie haben möchte. Für die 1950er Jahre war eine solche Mischehe noch weit konfliktbehafteter als heute.

Dieses Gesellschaftsdrama mit versöhnlichem Ende gilt als das erste eigenständige Projekt des Regisseurs Kurt Früh. Er avancierte zu einem Meilenstein des Schweizer Films mit einer hervorragenden Besetzung und der Komposition der Filmmusik durch Walter Baumgartner, der auch „Hinter den sieben Gleisen“, zwei Jahre später entstanden, mitverantwortete.

Regie: Kurt Früh I Musik: Walter Baumgartner I Darsteller: Emil Hegetschweiler, Ettore Cella, Margrit Winter, Peter Brogle, Walter Morath I Verleih: Praesens-Film, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Vorfilm: Anka Schmid präsentiert ein Kaleidoskop industrieller Produktionsprozesse: Dizzywork, 2006, 1 min. 20 sek.

Le livre d’image (Bildbuch)

Le livre d'image, Jean-Luc Godard

von Jean-Luc Godard, 2018, 84 min.

9. April I 20 Uhr

Dass Godard Schweizer ist, wird oft vergessen – zu eng sind sein Leben und sein Werk mit dem französischen Kino, vor allem mit dem Aufstieg der „Nouvelle Vague“ Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre verbunden. Seit langer Zeit aber lebt er in Rolle am Genfer See, wo sein kleines Haus zugleich als persönliches Refugium und medienanalytisches Laboratorium fungiert. Mit Le livre d‘image (engl.: The Image Book, dt.: Bildbuch) greift der Meister seine seit „Histoire(s) du cinéma“ (1988-1998) immer weiter entwickelte Montagetechnik auf, mit der Fragmente aus eigenen und fremden Filmen, Gemälden, literarischen Zitaten und Tonsignalen unterschiedlichster Herkunft zu einem energetisch hoch aufgeladenem Strom von Assoziationen eingeschmolzen werden.

Mit fast 90 Jahren Lebensalter mutet jede neue Arbeit Godards zwangsläufig wie ein Testament an. Im Fall von „Le livre d‘image“ drängt sich dieser Eindruck noch stärker auf: Besingt er doch einmal mehr das Kino in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Benutzbarkeit zwischen Utopie und Demagogie. Er stemmt sich dem Ende des cineastischen Zeitalters mit einem weiteren Werk entgegen – so gesehen, ist dieser Film durchaus ein optimistisches Statement. (Claus Löser)

Regie: Jean-Luc Godard I Kamera: Fabrice Aragno, Jean-Luc Godard, Jean-Paul Battaggia I Verleih: Grandfilm
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Inland Archiv

von Erich Busslinger, zehn Episoden 2003, je 15 min

Erich Busslinger hat auf seinen Reisen durch die Schweiz aus seinen Alltagsbeobachtungen eine serielle Dokumentation skurrilen Charakters erstellt. Seine
Bildgeschichten, die unter dem Titel Inland Archiv zusammengefasst sind, strotzen vor unterschwelliger Ironie, machen sich aber nicht lustig, sondern porträtieren die Landsgenossen eher liebevoll in ihren Gewohnheiten und Eitelkeiten.

Episode „Totolotto“, 6. April I 21:45 Uhr
Episode „Nachtleben“, als Vorfilm 9. April I 18 Uhr
Episode „Parade“, als Vorfilm 10. April I 20 Uhr

Signers Koffer

von Peter Liechti, 1996, 80 min.

9. April I 18 Uhr

Hochvergnügliche Dokumentation von Peter Liechti über den Aktionskünstler Roman Signer. Der Film begleitet den Künstler zu Schauplätzen, die seinen archaischen Inszenierungen entgegenkommen. So dienen der Krater des Stromboli, Geysire auf Island oder die Industriewüste von Bitterfeld als Kulisse. Hochkonzentriert setzt er sich ins Verhältnis zu den Urgewalten der Natur und erstellt scheinbar absurde Skulpturen des Zufalls. (Claus Löser)

Regie: Peter Liechti I mit Roman Signer I Verleih: Peter Liechti Filmproduktion
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Magic Matterhorn

Anka Schmid, Magic Matterhorn

von Anka Schmid, 1995, 85 min.

8. April I 20 Uhr

Das Matterhorn als Wahrzeichen der Schweiz nimmt Anka Schmid als Ausgangsmotiv für ihren essayistischen Dokumentarfilm über das Konzept Heimat. Täglich pilgern Touristen aus aller Welt hierher in den Kurort Zermatt, das als einer der wenigen autofrei ist. Was sehen sie eigentlich? Und wie leben die Einheimischen an diesem berühmten Ort? Zu Wort kommen Zermatter Teilzeitbauern, ein Schweizer Disneyland-Jodler in Kalifornien und die Kabarett-Kultgruppe Geschwister Pfister. Anka Schmid hat einen Heimatfilm geschaffen, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt und unterhält.

Regie: Anka Schmid I mit Auftritt von Geschwister Pfister
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln, 35 mm

Vorfilme:
Urs Breitenstein beschäftigt sich in „Film-Streifen“, 1979, 3 min. 40 sek. mit dem Ursprungsmaterial Film selbst.

Ruedi Bind schaut auf Fassaden in „Fenster A“, 1980, 10 min.

Giulias Verschwinden

von Christoph Schaub, 2009, 87 min.

8. April I 18 Uhr

Aus Anlass ihres 50. Geburtstages kommen Giulias (Corinna Harfouch) Freunde zu einer Feier in einem Restaurant zusammen. Doch das Geburtstagskind lässt auf sich warten, treibt in der Stadt herum. Genauso wie sie haben auch ihre Freunde mit dem Älterwerden ihre Schwierigkeiten, ihre Gespräche schwanken zwischen Frust und Amüsement.

Christoph Schaub hat ein stimmungsvolles leichtes Kinostück über eines der schwerwiegenden menschlichen Themen gemacht, nicht zuletzt, weil aus diesem nicht der Hochmut der Heutigen spricht. Nicht die sonnenstudiogebräunte, ewig fitte, penetrant gutgelaunte Klientel der Anti-Aging-Industrie führt hier das Wort, sondern die Nachsicht der Gestrigen, die den Beleidigungen des Älterwerdens mal mehr, mal weniger souverän, aber jedenfalls humorvoll begegnen. (Claudia Schwartz, NZZ)

In der männlichen Hauptrolle istder kürzlich verstorbene Bruno Ganz zu erleben.

Regie: Christoph Schaub I Drehbuch: Martin Suter I Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, Sunnyi Melles, André Jung, Daniel Rohr I Verleih: Warner Bros.
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln, 35 mm

Pepperminta

Pepperminta, Pipilotti Rist

von Pipilotti Rist, 2009, 84 min.

7. April I 20 Uhr

Pepperminta wandert fröhlich naiv und kunterbunt angezogen, wie eine moderne Pipi Langstrumpf durch die Welt und zieht Argwohn, aber auch Bewunderung auf sich. Auf ihrem Weg findet sie neue Freunde, die sie fortan auf
ihrer Reise in die Unbeschwertheit begleiten.

Pipilotti Rist hat nicht nur ihren Künstlernamen mit dem Vorbild ihrer Hauptfigur gemeinsam. Die Pionierin der Schweizer Video- und Performancekunst schafft in ihren Arbeiten bunte Parallelwelten, in denen es um Körperlichkeit und die Bejahung des Weiblichen geht. Dieser bisher einzige Spielfilm von Pipilotti Rist wurde noch kaum außerhalb des Kunstgalerie- und Museumsbereichs gezeigt, nachdem er im Wettbewerb der Filmfestspielen von Venedig lief.

«In unserer weissen westlichen Kultur haben Farben einen geringen Wert. Sie zählen zum weiblichen Prinzip und gelten als „mystisch, transzendental, gefährlich“» (Pipilotti Rist)

Regie: Pipilotti Rist I Darsteller: Ewelina Guzik, Sven Pippig, Sabine Timoteo,
Elisabeth Orth I Verleih: Hugofilm
Fassung: Deutsche Originalversion

Fin de Vac

Fin de Vac, Giovanni Greggio, 23 min.

von Giovanni Greggio, 2015, 23 min.
Italienisch, Tessinerisch

Angesiedelt im italienischsprachigen Gebiet der Schweiz erzählt die Doku-Fiktion von einer jahrhundertalten Fehde zwischen zwei benachbarten Dörfern. In einem Duell soll der Dorfnarr den Streit endlich für sich entscheiden.

Auf der Basis dieser beiden Filme findet am 7. April I 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachliche Minderheiten in der Schweiz“ statt.