Seuls

seuls, francis reusser

4. April 2020 – 20 Uhr

Seuls

Schweiz 1981 – 100 Minuten – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Francis Reusser mit Niels Arestrup, Christine Boisson, Bulle Ogier, Michael Lonsdale, Walo Lüönd

Francis Reusser inszeniert eine Kritik an den Müßiggang der Bourgeoise, die in der Hauptfigur des Jean seine Entsprechung findet. Bei einem seiner Streifzüge durch die Straßen von Lausanne findet er in einem Fotoautomaten Passbilder, die eine Frau zeigen, die seiner Mutter ähnlich sieht. Diese Bilder werden zum Sehnsuchtssymbol. In seiner Villa am See leistet ihm eine junge Frau Gesellschaft, aber für eine ernsthafte Beziehung kann sich Jean nicht entscheiden.

Dieser dritte Spielfilm von Reusser, der zum Umfeld der Gruppe der Genfer 5 um Alain Tanner gehört, sieht in den Hauptrollen gleich eine ganze Reihe an bedeutenden Darstellern in ihrer frühen Karriere. Niels Arestrup und Michael Lonsdale zählen heute zu den wichtigsten Persönlichkeiten des französischen und europäischen Films.

Garçon stupide

Garçon stupide, Lionel Baier

4. April 2020 – 22 Uhr

Garçon stupide (Dummer Junge)

Schweiz 2004 – 94 Minuten – 35 mm – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Lionel Baiser – B: Lionel Baier, Laurent Guido mit Pierre Chatagny, Natacha Koutchoumov, Rui Pedro Alves

Loïc weiß nicht, was er mit sich anfangen soll. Er hat keine Arbeit und kein Geld, daher spart er beim Essen und stopft sich den Magen mit einer Aspirinzubereitung. Nachts streift er durch die Straßen von Bulle oder Lausanne und trifft sich mit Freiern, die ihn für Sex bezahlen. Regelmäßig übernachtet er bei seiner Freundin Marie, die, im Gegensatz zu ihm, ein Ziel im Leben hat. Als sie plötzlich einen festen Freund

Mit dieser Film ist das Spielfilmdebüt des Lausanner Regisseurs Lionel Baier. Er zeichnet das Porträt eines jungen Mannes, der aus Mangel an Stimuli in einen stumpfen Trott verfallen ist, aber durch neue Wertschätzung und Zuneigung anfängt, sich umzusehen im Leben und versucht, herauszufinden, was für noch alles möglich ist.

Das Höllentor von Zürich

Das Höllentor von Zürich, Cyrill Oberholzer

3. April 2020 – 22 Uhr

Das Höllentor von Zürich
Schweiz 2018 – 93 Minuten – Spielfilm – Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Cyrill Oberholzer – B: Laura Stoll mit Laura Stoll

Laura Stoll spielt sich in dieser experimentellen Horrorsatire als naive und tollpatschige Künstlerin. Kind der digitalen Internetgeneration versucht sie sich aus ihrer misslichen Lage, sie steckt mit ihrem Zeigefinger im Abfluss der Badewanne fest, erst mit der üblichen Technik zu befreien, um dann ganz analog zu gehen.

Der Film ist ein Beispiel für einen mutigen, frischen Beitrag der jüngsten Schweizer Filmemachergeneration.

mit Vorfilm:
YORI
Schweiz 2018 – 10 Minuten – Spielfilm – Schweizerdeutsch, Koreanisch mit englischen Untertiteln – R: Hae-Sup Sin mit Hyun Teg Park, Peter Hottinger, Werner Biermeier

In einem koreanischen Restaurant kommt es zu einem folgenschweren Missverständnis.

Ceux qui travaillent

Ceux qui travaillent, Antoine Russbach

3. April 2020 – 20 Uhr

Ceux qui travaillent (Die, die arbeiten / Those Who Work)
Schweiz / Belgien 2018 – 100 Minuten – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Antoine Russbach mit Olivier Gourmet, Adèle Bochatay, Michel Voïta

Man müsse sich entscheiden, entweder gehöre man im Leben zu denen, die arbeiten oder zu denen, die Träumen nachjagen und den anderen auf der Tasche liegen. Damit fühlt Frank dem Freund seiner Tochter auf den Zahn. Selbst hat er sich aus bescheidenen Verhältnissen durch Fleiss in eine verantwortungsvolle Führungsposition hinaufgearbeitet. In seinem Büro am Genfer See koordiniert er Handelsschiffe für verschiedene Unternehmen und jongliert täglich mit hohen Geldsummen.

„Ceux qui travaillent“ porträtiert mit unterkühlten, fast dokumentarischen Bildern einen Mann, der sich durch seine Arbeit definiert, einen Archetypen des Familienvaters und Ernährers. Die einprägsame Darstellung durch den belgischen Schauspieler Oliver Gourmet ruft soviel Antipathie wie Mitgefühl hervor. „Ceux qui travaillent“ versteht sich als Kritik unserer konsumorientierten Gesellschaft. Unser Wohlstand beruht auf Ausbeutung, Ausbeutung von Arbeitskräften, von natürlichen Ressourcen und schliesslich auch auf einer Selbstausbeutung, diktiert von einem Leistungsprinzip, das Menschen nach materialistischen Erwägungen in Gewinner und Verlierer einteilt.

Der Büezer

Der Büezer, Hans Kaufmann

2. April 2020 – 19:30 Uhr – Eröffnung
7. April 2020 – 20 Uhr (Wiederholung, ohne Regisseur mit Vorfilm)

Der Büezer („Der Arbeiter“) – Eröffnungsfilm
Schweiz 2019 – 85 Minuten – Spielfilm – Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Hans Kaufmann mit Joel Basman, Andrea Zogg, Cecilia Steiner
in Anwesenheit des Regisseurs

Patrick Signer alias Sigi (Joel Basman) arbeitet als Sanitärtechniker. Nach dem Tod seiner Eltern sind seine einzigen sozialen Kontakte die Kollegen auf dem Bau. Von ihrem selbstbewussten Auftreten hat er selber wenig. Eine väterliche Ersatzfigur findet er im zwielichtigen Walter (Andrea Zogg), für den er nach Feierabend kleinere Reparaturen ausführt und seinen Lohn aufbessert. Als er auf Hannah (Cecilia Steiner) trifft, möchte er alles unternehmen, um ihr zu gefallen. Dazu gehört auch, dass er sich als Werbetexter ausgibt und bei ihrer sektenähnlichen Freikirche mitmacht.

Kaufmann inszeniert die Geschichte eines jungen Mannes, der trotz seines großen Wunschs nach Anschluss und Geborgenheit sich selbst treu bleibt. Inszenierung und Spiel zeichnen sich durch eine reduzierte Bildsprache aus, die den Blick auf das Wesentliche freigeben. Joel Basman liefert hier eine seiner bisher überzeugendsten Leistungen. Nicht zuletzt ist „Der Büezer“ auch eine klassische Liebes- und Heldengeschichte, die mit viel Humor und Empathie erzählt wird.

Bäckerei Zürrer

Bäckerei Zürrer, Kurt Früh

von Kurt Früh, 1957, 104 min.

10. April I 18 Uhr

Der verwitwete Bäckermeister Zürrer musste seine drei Kinder alleine großziehen. Es missfällt ihm, dass sein jüngster Sohn, der die Bäckerei übernehmen soll, von der Tochter des italienischen Kleinhändlers Pizzani ein Kind erwartet, da er sie nicht in seiner Familie haben möchte. Für die 1950er Jahre war eine solche Mischehe noch weit konfliktbehafteter als heute.

Dieses Gesellschaftsdrama mit versöhnlichem Ende gilt als das erste eigenständige Projekt des Regisseurs Kurt Früh. Er avancierte zu einem Meilenstein des Schweizer Films mit einer hervorragenden Besetzung und der Komposition der Filmmusik durch Walter Baumgartner, der auch „Hinter den sieben Gleisen“, zwei Jahre später entstanden, mitverantwortete.

Regie: Kurt Früh I Musik: Walter Baumgartner I Darsteller: Emil Hegetschweiler, Ettore Cella, Margrit Winter, Peter Brogle, Walter Morath I Verleih: Praesens-Film, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Vorfilm: Anka Schmid präsentiert ein Kaleidoskop industrieller Produktionsprozesse: Dizzywork, 2006, 1 min. 20 sek.

Dene wos guet geit (Die, denen es gut geht)

Dene wos guet geit, Cyril Schäublin, Silvan Hillemann

von Cyril Schäublin, 2017, 71 min.

6. April I 19:45 Uhr

Selbst produziert mit wenigen Mitteln und einer bezwingend eigenständigen sowie minimalistischen Kameraführung haben Regisseur Cyril Schäublin und Kameramann Silvan Hillemann mit „Dene wos guet geit“ ein unaufgeregtes, doch beklemmendes Zeitbild geschaffen. Von Zynismus und trockenem Humor geprägt, sprühen aus dem allgemeinen Grau des Bildes die Funken.

Eine junge Telefonistin versucht, auf eine schnellere Weise parallel zu ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Sie gibt sich bei älteren Menschen als Enkelin in finanziellen Nöten aus, und prellt sie um ihr Geld.

Regie: Cyril Schäublin I Kamera: Silvan Hillemann I Darsteller: Liliane Amuat,
Margot Gödrös, Valentin Merz
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Gäste: Cyril Schäublin, Reinhard Manz

Aloys

von Tobias Nölle, 2016, 91 min.

6. April I 18 Uhr

„Wir melden uns bei Ihnen“. Erst denkt man, Aloys (Georg Friedrich) meine damit sich und seinen Vater, mit dem er eine Privatdetektei betreibt. Doch auch nach dem Tod des Vaters spricht er noch in der dritten Person von sich. Der Kontakt zu anderen im Allgemeinen fällt ihm sehr schwer. Am liebsten versteckt er sich hinter seiner Kamera, kommuniziert nur das Nötigste mit seinen Kunden, und auch die abendliche Bestellung beim Chinesen „Eine Portion Reis zum Mitnehmen“ lässt keine Überschwänglichkeit zu.

Das Spielfilmdebüt des Schweizers Tobias Nölle überzeugt durch ästhetische und formale Konsequenz sowie durch inhaltliche Relevanz. Der porträtierte Sonderling wird nie der Lächerlichkeit preisgegeben, er steht vielmehr stellvertretend für jeden, der in unserer anonymisierten Gesellschaft Anschluss und Liebe sucht und weiß, welcher Herausforderung man sich dabei stellt. Aloys erzählt im Kleinen eine Geschichte der Selbstemanzipation, nimmt Partei für Individualität und die Wichtigkeit von Fantasie und Träumen.

Regie: Tobias Nölle I Darsteller: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertitel

Bonobo

von Zoel Aeschbacher, 2017, 18 min.

5. April I 19 Uhr

Der Lift in einem ist ständig kaputt. Das haben die Bewohner des Sozialwohnblocks in Bonobo gemeinsam, ansonsten kämpft jeder an eigener Front mit seinen Problemen.

Regie: Zoel Aeschbacher I Darsteller: Nicole Mersey, Paul Minthe, Benjamin Sanou I Verleih: Salaud Morrisset
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Heimatland

Heimatland

von Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp, Mike Scheiwiller, 2016, 99 min.

Über der Schweiz entsteht aus dem Nichts eine dichte Wolke, die rasant zu wachsen scheint. In Erwartung einer Naturkatastrophe verhängen die Behörden den Ausnahmezustand. Die Reaktionen bei den Bürgern fallen unterschiedlich aus.

„Heimatland“ ist das Gemeinschaftswerk von zehn Schweizer Regisseuren der jüngeren Generation und verschiedener Sprachgebiete. Die Dystopie ist einerseits ein spannender Katastrophen lm, andererseits eine satirisch-zugespitze Auseinandersetzung mit der schweizerischen Identität.

Regie, Drehbuch: Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp, Mike Scheiwiller
Kamera: Gaëtan Varone, Simon Guy Fässler, Denis D. Lüthi I Musik: Dominik Blumer I Darsteller: Peter Jecklin, Michèle Schaub-Jackson, Liana Hangart- ner, Nicolas Bachmann, Morgane Ferru u.v.a.
Verleih: Arsenal Filmverleih, Berlin

Fassung: Mehrsprachig mit deutschen Untertiteln

Unter der Patenschaft von NIFFF – Neuchâtel Fantastic Film Festival