Bäckerei Zürrer

Bäckerei Zürrer, Kurt Früh

von Kurt Früh, 1957, 104 min.

10. April I 18 Uhr

Der verwitwete Bäckermeister Zürrer musste seine drei Kinder alleine großziehen. Es missfällt ihm, dass sein jüngster Sohn, der die Bäckerei übernehmen soll, von der Tochter des italienischen Kleinhändlers Pizzani ein Kind erwartet, da er sie nicht in seiner Familie haben möchte. Für die 1950er Jahre war eine solche Mischehe noch weit konfliktbehafteter als heute.

Dieses Gesellschaftsdrama mit versöhnlichem Ende gilt als das erste eigenständige Projekt des Regisseurs Kurt Früh. Er avancierte zu einem Meilenstein des Schweizer Films mit einer hervorragenden Besetzung und der Komposition der Filmmusik durch Walter Baumgartner, der auch „Hinter den sieben Gleisen“, zwei Jahre später entstanden, mitverantwortete.

Regie: Kurt Früh I Musik: Walter Baumgartner I Darsteller: Emil Hegetschweiler, Ettore Cella, Margrit Winter, Peter Brogle, Walter Morath I Verleih: Praesens-Film, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Vorfilm: Anka Schmid präsentiert ein Kaleidoskop industrieller Produktionsprozesse: Dizzywork, 2006, 1 min. 20 sek.

Dene wos guet geit (Die, denen es gut geht)

Dene wos guet geit, Cyril Schäublin, Silvan Hillemann

von Cyril Schäublin, 2017, 71 min.

6. April I 19:45 Uhr

Selbst produziert mit wenigen Mitteln und einer bezwingend eigenständigen sowie minimalistischen Kameraführung haben Regisseur Cyril Schäublin und Kameramann Silvan Hillemann mit „Dene wos guet geit“ ein unaufgeregtes, doch beklemmendes Zeitbild geschaffen. Von Zynismus und trockenem Humor geprägt, sprühen aus dem allgemeinen Grau des Bildes die Funken.

Eine junge Telefonistin versucht, auf eine schnellere Weise parallel zu ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Sie gibt sich bei älteren Menschen als Enkelin in finanziellen Nöten aus, und prellt sie um ihr Geld.

Regie: Cyril Schäublin I Kamera: Silvan Hillemann I Darsteller: Liliane Amuat,
Margot Gödrös, Valentin Merz
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Gäste: Cyril Schäublin, Reinhard Manz

Aloys

von Tobias Nölle, 2016, 91 min.

6. April I 18 Uhr

„Wir melden uns bei Ihnen“. Erst denkt man, Aloys (Georg Friedrich) meine damit sich und seinen Vater, mit dem er eine Privatdetektei betreibt. Doch auch nach dem Tod des Vaters spricht er noch in der dritten Person von sich. Der Kontakt zu anderen im Allgemeinen fällt ihm sehr schwer. Am liebsten versteckt er sich hinter seiner Kamera, kommuniziert nur das Nötigste mit seinen Kunden, und auch die abendliche Bestellung beim Chinesen „Eine Portion Reis zum Mitnehmen“ lässt keine Überschwänglichkeit zu.

Das Spielfilmdebüt des Schweizers Tobias Nölle überzeugt durch ästhetische und formale Konsequenz sowie durch inhaltliche Relevanz. Der porträtierte Sonderling wird nie der Lächerlichkeit preisgegeben, er steht vielmehr stellvertretend für jeden, der in unserer anonymisierten Gesellschaft Anschluss und Liebe sucht und weiß, welcher Herausforderung man sich dabei stellt. Aloys erzählt im Kleinen eine Geschichte der Selbstemanzipation, nimmt Partei für Individualität und die Wichtigkeit von Fantasie und Träumen.

Regie: Tobias Nölle I Darsteller: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertitel

Bonobo

von Zoel Aeschbacher, 2017, 18 min.

5. April I 19 Uhr

Der Lift in einem ist ständig kaputt. Das haben die Bewohner des Sozialwohnblocks in Bonobo gemeinsam, ansonsten kämpft jeder an eigener Front mit seinen Problemen.

Regie: Zoel Aeschbacher I Darsteller: Nicole Mersey, Paul Minthe, Benjamin Sanou I Verleih: Salaud Morrisset
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Heimatland

Heimatland

von Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp, Mike Scheiwiller, 2016, 99 min.

Über der Schweiz entsteht aus dem Nichts eine dichte Wolke, die rasant zu wachsen scheint. In Erwartung einer Naturkatastrophe verhängen die Behörden den Ausnahmezustand. Die Reaktionen bei den Bürgern fallen unterschiedlich aus.

„Heimatland“ ist das Gemeinschaftswerk von zehn Schweizer Regisseuren der jüngeren Generation und verschiedener Sprachgebiete. Die Dystopie ist einerseits ein spannender Katastrophen lm, andererseits eine satirisch-zugespitze Auseinandersetzung mit der schweizerischen Identität.

Regie, Drehbuch: Michael Krummenacher, Jan Gassmann, Lisa Blatter, Gregor Frei, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp, Mike Scheiwiller
Kamera: Gaëtan Varone, Simon Guy Fässler, Denis D. Lüthi I Musik: Dominik Blumer I Darsteller: Peter Jecklin, Michèle Schaub-Jackson, Liana Hangart- ner, Nicolas Bachmann, Morgane Ferru u.v.a.
Verleih: Arsenal Filmverleih, Berlin

Fassung: Mehrsprachig mit deutschen Untertiteln

Unter der Patenschaft von NIFFF – Neuchâtel Fantastic Film Festival

Il nido

Il nido, Klaudia Reynicke

von Klaudia Reynicke, 2016, 78 min.

Die 19-jährige Cora arbeitet für ihre Familie in Bucco, einem Dorf, das von christlichen Touristen lebt, welche an Marienerscheinungen glauben. Coras Vater organisiert die große Feier zu Ehren der Jungfrau von Bucco, die jedes Jahr zahlreiche Pilger anzieht. Doch die Ankunft eines zurückkehrenden Dorfbewohners bringt die Harmonie des „heiligen“ Dorfes ins Schwanken, das seit Jahrzehnten ein Geheimnis hütet.

In ihrem Spielfilmdebüt „Il nido“ („Das Nest“) setzt sich die schweizerisch-peruanische Regisseurin Klaudia Reynicke mit dem Leben in einem Tessiner Dorf auseinander. Vor dem Hintergrund einer Kriminalgeschichte werden Themen wie Religion, Traditionen und Familie behandelt und auf den Prüfstand gestellt.

Regie: Klaudia Reynicke
Drehbuch: Klaudia Reynicke, Tianna Langham
Kamera: Hélène Louvart
Musik: Peter Kernel
Darsteller: Ondina Quadri, Fabrizio Rongione, Diego Ribon, Sonia Gessner, Gio- vanni Franzoni, Luigi Diberti, Giosia Gilardi
Verleih: The Open Reel, Mailand

Fassung: Italienisch mit englischen Untertiteln

Boys Are Us

Boys Are Us, Peter Luisi

von Peter Luisi, 2012, 73 min.

Die 16-jährige Mia ist nach schlechten Erfahrungen von der Liebe enttäuscht. Mit der Hilfe ihrer etwas älteren Schwester beschließt sie, sich an den Männern zu rächen. Als Opfer küren sie Timo, den sie über ein Internet-Chatportal kennenlernen. Als Mia gegen ihren Willen für Timo Sympathien fasst, ist sie zwischen ihren Gefühlen und dem ursprünglichen Racheplan hin und her gerissen.

Peter Luisi entwickelt eine unkonventionelle und originelle Form der roman- tischen Komödie. Wie in allen seinen Filmen vermischt sich dabei die realis- tische Erzählung mit einer zweiten fantastischen Ebene, bei der man sich an E.T.A. Hoffmann erinnert fühlt. Luisi wurde bekannt durch seinen Film „Der Sandmann“ (2011), jüngst kam „Der Flitzer“ in die deutschen Kinos.

Regie, Drehbuch: Peter Luisi
Kamera:NicolòSettegrana I Musik:ChristianSchlumpf,MichaelDuss,Martin Skalsky I Darsteller: Joëlle Witschi, Deleila Piasko, Peter Girsberger, Nicola Perot, Rafael Mörgeli

Fassung: Schweizedeutsch mit deutschen Untertiteln

Neutre

Neutre, Xavier Ruiz

von Xavier Ruiz, 2001, 90 min.

Eine Einheit der Schweizer Armee, kleiner Teil einer Kompagnie unter Führung eines Leutnants, gerät während einer Übung im Grenzgebiet irrtümlich auf französisches Territorium. Da der Leutnant sich scheut, den Vorfall zu melden und er mit Sanktionen rechnen muss, beschließt er, durch unwegsames Gelände illegal über die Grenze zurückzukehren. Die Gruppendynamik gerät außer Kontrolle.

„Neutre“ („Neutral“) ist aktionistisches Drama, Militärsatire und moralische Parabel zugleich. Der Film ist das Erstlingswerk des Genfer Regisseurs Xa- vier Ruiz, der mit dem Thriller „Verso“ (2010) Aufsehen erregte.

Regie: Xavier Ruiz I Drehbuch: Nicholas Cuthbert
Kamera: Christophe Serrare I Darsteller: Roberto Bestazzoni, Olivier Iglesias, Lambert Bastar, Gaspard Boesch, Nicholas Michel, Miami Themo, Julien George

Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Der Freund

Der Freund, Micha Lewinsky

von Micha Lewinksy, 2008 I 90 min.
in Anwesenheit des Regisseurs

Der schüchterne und linkische Emil ist überrascht, als ihn die von ihm um- schwärmte Sängerin Larissa anspricht. Sie bittet ihn, sich als ihr Freund auszugeben. Ein paar Tage später erfährt er von Larissas Selbstmord. Bei der trauernden Familie hält er die Fiktion aufrecht, Larissa und er seien über längere Zeit hinweg ein Paar gewesen. Schließlich verliebt er sich aber in die andere Tochter der Familie.

Das Spiel lmdebüt von Micha Lewinsky ist ein stimmungsvolles Zürichbild und dreht sich um einen liebenswürdigen Außenseiter, der von dem herausragen- den Philippe Graber gespielt wird. Die sanfte Liebesgeschichte ist unterkühlt, präzise inszeniert und von subtiler Komik. Die Musik stammt von der mittler- weilen international bekannten Liedermacherin Sophie Hunger, die auch aus selbst in der Rolle der Larissa auftritt.

Regie, Drehbuch: Micha Lewinsky
Kamera: Pierre Mennel I Musik: Marcel Vaid, Sophie Hunger
Darsteller: Philippe Graber, Johanna Bantzer, Michel Volta, Andrea Bürgin, Emilie Welti, Urs Jucker
Verleih: Film Kino Text, Bonn
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Der Goalie bin ig

Der Goalie bin ig, Sabine Boss

von Sabine Boss 2014, 103 min. Eröffnungsfilm

Ernst, von allen Goalie („Torhüter“) genannt, kehrt nach einem Gefängnisaufenthalt in seinen Heimatort zurück. Von seinem bisherigen Leben etwas enttäuscht, verbringt seine Zeit weitgehend in der Kneipe. Als er sich in die Serviertochter Regula verliebt und solide werden möchte, muss er sich mit seinen falschen Freunden aus dem kriminellen Milieu auseinandersetzen.

Sabine Boss hat den gleichnamigen Roman von Pedro Lenz ver lmt. Die Hauptrolle übernahm der Theaterschauspieler Marcus Signer und die Musik verantwortet die Gruppe Züri West.

Lenz schreibt in berndeutscher Sprache. „Der Goalie bin ig“ erschien 2010 und gewann den Schweizer Literaturpreis. Er ist in der Ich-Form erzählt, in kurzen Sätzen, meist in umgangssprachlich reduzierter Syntax und mit trocke- nem Humor.

Anläßlich des Festivals liest Pedro Lenz aus dem Roman.

Regie: Sabine Boss I Drehbuch: Jasmine Hoch, Sabine Boss, Pedro Lenz Kamera: Michael Saxer I Musik: Züri West I Darsteller: Marcus Signer, Sonja Riesen, Pascal Ulli I Verleih: Turnus Film, Zürich

Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Züri West hat den Titelsong komponiert:

Unter der Patenschaft von Chuchichästli