Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz

beresina, Daniel Schmid

von Daniel Schmid, 1999, 108 min.

10. April I 20 Uhr

In gewohnter zynischer Manier nimmt sich Daniel Schmid in Beresina der vielen Klischees um seine Heimat an. Alles spielt sich in den höheren „besseren“ Kreisen der Gesellschaft ab. Ein russisches Callgirl, das gebrochenes Deutsch spricht, wird zum Bindungsglied zwischen skurrilen alten Männern und ihren sexuellen und sonstigen Neurosen. Als Belohnung für ihre Dienste soll sie den begehrten Schweizer Pass erhalten.

„BERESINA entstand aus dem Bedürfnis, dem Land, in dem wir aufgewachsen sind und das uns geprägt hat, eine Liebeserklärung zu machen. Realität benötigt die Irrealität, um real zu sein, das heißt, sie benötigt das Imaginäre.“ (Daniel Schmid)

Regie: Daniel Schmid I Drehbuch: Martin Suter I Darsteller: Yelena Panova, Martin Benrath, Geraldine Chaplin, Ulrich Noethen, Stefan Kurt, Peter Simonischek I Verleih: Frenetic
Fassung: Deutsche Originalversion

Vorfilm:
Caroline Schenk macht körperbetonte, feministische Performances. In Sous-vide, 2018, 1 min. 30 sek., bleibt ihr die Luft weg.

Bäckerei Zürrer

Bäckerei Zürrer, Kurt Früh

von Kurt Früh, 1957, 104 min.

10. April I 18 Uhr

Der verwitwete Bäckermeister Zürrer musste seine drei Kinder alleine großziehen. Es missfällt ihm, dass sein jüngster Sohn, der die Bäckerei übernehmen soll, von der Tochter des italienischen Kleinhändlers Pizzani ein Kind erwartet, da er sie nicht in seiner Familie haben möchte. Für die 1950er Jahre war eine solche Mischehe noch weit konfliktbehafteter als heute.

Dieses Gesellschaftsdrama mit versöhnlichem Ende gilt als das erste eigenständige Projekt des Regisseurs Kurt Früh. Er avancierte zu einem Meilenstein des Schweizer Films mit einer hervorragenden Besetzung und der Komposition der Filmmusik durch Walter Baumgartner, der auch „Hinter den sieben Gleisen“, zwei Jahre später entstanden, mitverantwortete.

Regie: Kurt Früh I Musik: Walter Baumgartner I Darsteller: Emil Hegetschweiler, Ettore Cella, Margrit Winter, Peter Brogle, Walter Morath I Verleih: Praesens-Film, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Vorfilm: Anka Schmid präsentiert ein Kaleidoskop industrieller Produktionsprozesse: Dizzywork, 2006, 1 min. 20 sek.

Giulias Verschwinden

von Christoph Schaub, 2009, 87 min.

8. April I 18 Uhr

Aus Anlass ihres 50. Geburtstages kommen Giulias (Corinna Harfouch) Freunde zu einer Feier in einem Restaurant zusammen. Doch das Geburtstagskind lässt auf sich warten, treibt in der Stadt herum. Genauso wie sie haben auch ihre Freunde mit dem Älterwerden ihre Schwierigkeiten, ihre Gespräche schwanken zwischen Frust und Amüsement.

Christoph Schaub hat ein stimmungsvolles leichtes Kinostück über eines der schwerwiegenden menschlichen Themen gemacht, nicht zuletzt, weil aus diesem nicht der Hochmut der Heutigen spricht. Nicht die sonnenstudiogebräunte, ewig fitte, penetrant gutgelaunte Klientel der Anti-Aging-Industrie führt hier das Wort, sondern die Nachsicht der Gestrigen, die den Beleidigungen des Älterwerdens mal mehr, mal weniger souverän, aber jedenfalls humorvoll begegnen. (Claudia Schwartz, NZZ)

In der männlichen Hauptrolle istder kürzlich verstorbene Bruno Ganz zu erleben.

Regie: Christoph Schaub I Drehbuch: Martin Suter I Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, Sunnyi Melles, André Jung, Daniel Rohr I Verleih: Warner Bros.
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln, 35 mm

Fin de Vac

Fin de Vac, Giovanni Greggio, 23 min.

von Giovanni Greggio, 2015, 23 min.
Italienisch, Tessinerisch

Angesiedelt im italienischsprachigen Gebiet der Schweiz erzählt die Doku-Fiktion von einer jahrhundertalten Fehde zwischen zwei benachbarten Dörfern. In einem Duell soll der Dorfnarr den Streit endlich für sich entscheiden.

Auf der Basis dieser beiden Filme findet am 7. April I 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachliche Minderheiten in der Schweiz“ statt.

Zeit-fragen

von Reinhard Manz, 1986-87, 16 min.

Vorfilm am 6. April I 19:45 Uhr

Reinhard Manz hat sich auf einen der belebtesten Plätze und Tramknotenpunkte Zürichs gestellt und den Passanten das Mikrofon vor den Mund gehalten. Seine immer gleiche Frage: „Haben Sie Zeit?“

Dene wos guet geit (Die, denen es gut geht)

Dene wos guet geit, Cyril Schäublin, Silvan Hillemann

von Cyril Schäublin, 2017, 71 min.

6. April I 19:45 Uhr

Selbst produziert mit wenigen Mitteln und einer bezwingend eigenständigen sowie minimalistischen Kameraführung haben Regisseur Cyril Schäublin und Kameramann Silvan Hillemann mit „Dene wos guet geit“ ein unaufgeregtes, doch beklemmendes Zeitbild geschaffen. Von Zynismus und trockenem Humor geprägt, sprühen aus dem allgemeinen Grau des Bildes die Funken.

Eine junge Telefonistin versucht, auf eine schnellere Weise parallel zu ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Sie gibt sich bei älteren Menschen als Enkelin in finanziellen Nöten aus, und prellt sie um ihr Geld.

Regie: Cyril Schäublin I Kamera: Silvan Hillemann I Darsteller: Liliane Amuat,
Margot Gödrös, Valentin Merz
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Gäste: Cyril Schäublin, Reinhard Manz

Aloys

von Tobias Nölle, 2016, 91 min.

6. April I 18 Uhr

„Wir melden uns bei Ihnen“. Erst denkt man, Aloys (Georg Friedrich) meine damit sich und seinen Vater, mit dem er eine Privatdetektei betreibt. Doch auch nach dem Tod des Vaters spricht er noch in der dritten Person von sich. Der Kontakt zu anderen im Allgemeinen fällt ihm sehr schwer. Am liebsten versteckt er sich hinter seiner Kamera, kommuniziert nur das Nötigste mit seinen Kunden, und auch die abendliche Bestellung beim Chinesen „Eine Portion Reis zum Mitnehmen“ lässt keine Überschwänglichkeit zu.

Das Spielfilmdebüt des Schweizers Tobias Nölle überzeugt durch ästhetische und formale Konsequenz sowie durch inhaltliche Relevanz. Der porträtierte Sonderling wird nie der Lächerlichkeit preisgegeben, er steht vielmehr stellvertretend für jeden, der in unserer anonymisierten Gesellschaft Anschluss und Liebe sucht und weiß, welcher Herausforderung man sich dabei stellt. Aloys erzählt im Kleinen eine Geschichte der Selbstemanzipation, nimmt Partei für Individualität und die Wichtigkeit von Fantasie und Träumen.

Regie: Tobias Nölle I Darsteller: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertitel

L’invitation (Die Einladung)

L'invitation, Claude Goretta, 1973

von Claude Goretta, 1973, 100 min.

4. April I 19:30 Uhr

Mit L’invitation schuf Claude Goretta ein Gesellschaftssatire, die die Bourgeoise der 1970er Jahre ins Visier nimmt. Ein einfacher Büroangestellter erbt von seiner Mutter eine Villa mit Grundstück und lädt zur Einweihung seine Kollegen zu einem Sommerfest ein. Der Geschmack und die Wertvorstellungen zweier Generationen prallen nach und nach aneinander, der Alkohol reduziert die Contenance, und schließlich sehnen sich alle nach dem erlösenden Ende. Der Film gewann 1973 den Jurypreis beim Festival in Cannes und wurde als bester fremdsprachiger Film für die Oscars nominiert.

Claude Goretta war gemeinsam mit Alain Tanner, Michel Soutter, Jean-Louis Roy und Jean-Jacques Lagrange Mitbegründer der „Groupe 5“, die von der französischen Schweiz und insbesondere Genf aus einen wichtigen Beitrag zum Neuen Schweizer Film leistete. Inspiriert von der französischen „Nouvelle Vague“ und diese fortführend, schufen sie in eigener Bildsprache gesellschaftskritische Werke, die denen ihres Landsmanns Godard in der allgemeinen Aufmerksamkeit allerdings immer einen Schritt hinterher bleiben sollten. Mitte Februar starb Goretta kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Regie: Claude Goretta I Darsteller: Michel Robin, François Simon, Jean-Luc Bideau I Verleih: Jupiter Film, Paris
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Vorfilme:
Pierre Monnard hat für seine Emmentaler-Werbung den ADC Award gewonnen und war auf der Cannes Lions Short List.

Für die Kindersendung Scacciapensieri, die immer noch jeden Samstag auf dem TV-Sender der italienischen Schweiz RSI läuft, wurde 1973 von Bruno Bozzetto und Guido Manuli die Figur „Stripy“ erfunden.

Der Tunnel

Der Tunnel von Christoph Daniel und Marc Schmidheiny, mit Detlev Buck, nach der Erzählung von Friedrich Dürrenmatt

von Marc Schmidheiny und Christoph Daniel, 2017, 10 min.

Bei seiner wöchentlichen Fahrt durch die Schweiz bemerkt ein Student (Michael Schertenleib), dass der Zug ungewöhnlich lange durch einen Tunnel fährt. Sein Unbehagen wächst. Doch die Mitreisenden scheinen nicht beunruhigt, und auch der Schaffner (Detlev Buck) versichert ihm, dass alles in Ordnung sei. Gemeinsam mit dem Zugführer (ebenso Detlev Buck) macht der Student sich auf den Weg zum Führerraum der Lokomotive – doch dieser ist leer. Als auch die Notbremse nicht funktioniert, müssen beide zusehen, wie der Zug immer schneller in den dunklen Abgrund rast.

DER TUNNEL basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Friedrich Dürrenmatt, erschienen 1952.

Regie: Christoph Daniel, Marc Schmidheiny
Buch: Christoph Daniel, Marc Schmidheiny (nach Friedrich Dürrenmatt)
Kamera: Stephan Burchardt
Schnitt: Theo Strittmatter
Darsteller: Detlev Buck, Michael Schertenleib, Klaus Manchen
Produzentin: Kirstin Wille
Produktion: DCM
Verleih: Salaud Morisset

Mit der Unterstützung von Salaud Morisset

Der Kurzfilm wird vor dem Spielfilm „Der Freund“ von Micha Lewinsky (am Fr, 19. Januar 2018 um 20 Uhr) und vor dem Spielfilm „Hinter den sieben Gleisen“ von Kurt Früh (am So, 21. Januar 2018 um 18 Uhr) gezeigt.

Discipline

Discipline, von Christophe M. Saber, 2014

von Christophe M. Saber, 2014, 12 min.

In einem Spätkauf in Lausanne kommt es zum Streit. „Discipline“ ist ein bissiger Kurzfilm über Erziehungstheorie, der einen Querschnitt durch die Schweizer Gesellschaft bietet.

Regie, Drehbuch: Christophe M. Saber
Produktion: Box Productions sàrl, École Cantonale d’Art de Lausanne, RTS Radio Télévision Suisse
Produzent: Elena Tatti
Kamera: Denis Jutzeler
Schnitt: Jonathan Vinel
Musik: Christian Garcia-Gaucher
Verleih: Salaud Morisset

Darsteller: Adel Ahdy, Nour Gayed, Garance Rohr, Frank Semelet, Florence Quartenoud

Der Kurzfilm wird vor dem Spielfilm „Der Goalie bin ig“ von Sabine Boss (am Do, 18. Januar 2018 um 19:30 Uhr, Eröffnungsfilm, und am Di, 23. Januar 2018 um 19 Uhr) gezeigt.