Garçon stupide

Garçon stupide, Lionel Baier

4. April 2020 – 22 Uhr

Garçon stupide (Dummer Junge)

Schweiz 2004 – 94 Minuten – 35 mm – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Lionel Baiser – B: Lionel Baier, Laurent Guido mit Pierre Chatagny, Natacha Koutchoumov, Rui Pedro Alves

Loïc weiß nicht, was er mit sich anfangen soll. Er hat keine Arbeit und kein Geld, daher spart er beim Essen und stopft sich den Magen mit einer Aspirinzubereitung. Nachts streift er durch die Straßen von Bulle oder Lausanne und trifft sich mit Freiern, die ihn für Sex bezahlen. Regelmäßig übernachtet er bei seiner Freundin Marie, die, im Gegensatz zu ihm, ein Ziel im Leben hat. Als sie plötzlich einen festen Freund

Mit dieser Film ist das Spielfilmdebüt des Lausanner Regisseurs Lionel Baier. Er zeichnet das Porträt eines jungen Mannes, der aus Mangel an Stimuli in einen stumpfen Trott verfallen ist, aber durch neue Wertschätzung und Zuneigung anfängt, sich umzusehen im Leben und versucht, herauszufinden, was für noch alles möglich ist.

Es geschah am hellichten Tag

Es geschah am hellichten Tag, Ladislao Vajda

Es geschah am hellichten Tag

Schweiz / Deutschland / Spanien 1958 – 95 Minuten – Spielfilm – Deutsch – R: Ladislao Vajda – B: Friedrich Dürrenmatt mit Heinz Rühmann, Michel Simon, Gert Fröbe

Nach Dürrenmatts Roman „Das Versprechen“ drehte Vajda einen Klassiker des Film noir, in dem ein Polizist noch Jahre nach dem brutalen Tod eines Mädchens, dem Täter auf der Spur ist. Der Film spielt an schweizerischen Schauplätzen, wurde aber in Hochdeutsch gedreht und in den Hauptrollen von zwei deutschen Schauspielern getragen, besonders durch den herausragenden Gert Fröbe.

Das Drehbuch hat Friedrich Dürrenmatt selbst für den Film adaptiert und der Stoff wurde im Anschluss mehrfach neu verfilmt (wie „Das Versprechen“, von Sean Penn, 2001).

mit Vorfilm:
Dürrenmatt liest „Der Tunnel“
Schweiz 1984/2006– 15 Minuten – Essay – Deutsch – R: Charlotte Kerr mit Friedrich Dürrenmatt (Auszug aus Portrait eines Planeten)
mit freundlicher Unterstützung der Charlotte Kerr Dürrenmatt-Stiftung

Aufgenommen von seiner langjährigen Partnerin Charlotte Kerr liest Friedrich Dürrenmatt eine verkürzte Fassung seiner Erzählung „Der Tunnel“. Dabei fährt er selbst Zug, Seilbahnen, Regionalzüge und Intercitys, die verschiedene Tunnel passieren.

Der Richter und sein Henker

Der Richter und sein Henker, Maximilian Schell

5. April 2020 – 20 Uhr

Der Richter und sein Henker

Deutschland / Italien 1975 – 92 Minuten – Spielfilm – Deutsch – R: Maximilian Schell – B: Maximilian Schell, Friedrich Dürrenmatt mit Jon Voight, Jacqueline Bisset, Martin Ritt, Helmut Qualtinger, Donald Sutherland, Friedrich Dürrenmatt

Maximilian Schell hat mit einer international hochrangigen Besetzung, sogar Donald Sutherland war die kleine Rolle als Leiche zugetragen, einen der Justizromane von Friedrich Dürrenmatt dicht und atmosphärisch anspruchsvoll inszeniert. Dürrenmatt hat wesentlich am Drehbuch mitgearbeitet und übernimmt auch einen kleinen Gastauftritt.

Zwei Freunde verbindet das Wissen um ein vor Jahren stattgefundenes Verbrechen. Einer ist Polizist geworden und der andere hat sich endgültig dem kriminellen Milieu verschrieben. Als ein Toter auftaucht und die Ermittlungen voranschreiten, droht die Gefahr, dass auch endlich der damalige Mordfall gesühnt werden kann.

MIDAS oder die schwarz Leinwand

Midas oder die schwarze Leinwand, Hanna Dörr

5. April 2020 – 20 Uhr
MIDAS oder die schwarz Leinwand

Deutschland 2019 – 15 Minuten – Spielfilm – Deutsch – R: Hanna Dörr mit Georg Friedrich, Marc Hosemann, Lars Rudolph, Lea Draeger, Kerstin Grassmann u.a.

Richard Green muss sterben. Das haben die Mitglieder des Aufsichtsrats seiner Firma so entschieden und schon alles vorbereitet. Sie informieren Green über den Plan und weisen ihn an, sich dem inszenierten Selbstmord zu fügen. Doch das möchte Green nicht und sucht einen Ausweg – scheinbar kann er auf keinen mehr zählen.

Siamo italiani

Siamo italiani, Alexander J. Seiler

6. April 2020 – 20 Uhr

Siamo italiani

Schweiz 1964 – 79 Minuten – Dokumentarfilm – Italienisch und Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Alexander J. Seiler, June Kovach, Rob Gnant

In ihrem Dokumentarfilm suchen Seiler, Gnant und Kovach die Begegnung mit den Menschen, die in der Schweiz der sechziger und siebziger Jahre als „Problem“ wahrgenommen und diskutiert wurden: den italienischen Arbeitskräften. Der Film beginnt mit der sanitarischen Untersuchung an der Grenze; der Mensch wird zur Ware – Menschenware als Massenware –, deren einziger Sinn darin besteht, im Arbeitsprozess reibungslos zu funktionieren und sich möglichst einfach verwalten zu lassen. Dann zeigen die Autoren Seiler das Leben der „Fremdarbeiter“ in der Schweiz in seinen wichtigsten Aspekten: den Arbeitsbedingungen, den Wohnverhältnissen, dem verbotenen Nachzug der Familie, der Öde des Sonntags, der Hartherzigkeit der Einheimischen, der Bürokratie. „Wir kamen nicht als Soziologen oder Fürsorger, sondern als Fragende ohne Einschränkung, und ohne Ausnahme scheinen wir für unsere Gesprächspartner die ersten Schweizer zu sein, die sich nicht bloss für bestimmte Aspekte ihres Lebens, sondern für sie selber und alles interessierten, was sie zu sagen hatten.“ (Swiss Films)

Vorfilm: BICE DEL KREIS 4 von Perla Ciommi, 2009, 5‘

Neuland

neuland

7. April 2020 – 18 Uhr

Neuland

Schweiz 2013 – 93 Minuten – Dokumentarfilm – Schweizer Deutsch und Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Anna Thommen
in Anwesenheit der Regisseurin

Eine Gruppe von Jugendlichen steht kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben. Jeder von ihnen hat seine eigene Vorstellung für seine Zukunft, doch ihre Voraussetzungen sind schlechter als die von anderen. Sie haben nicht von Anfang an die Schule in der Schweiz besucht, sprechen noch gebrochen Deutsch und können auf kein bestehendes soziales Umfeld zurückgreifen. Ihre Chancen glichen denen des Fußballclubs des FC Basel gegen Manchester United zu gewinnen, David gegen Goliath. Und doch habe es Basel durch harte Arbeit ganz an dich Spitze geschafft.

Die Basler Regisseurin Anna Thommen hat eine sogenannte Integrationsklasse begleitet, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine intensive Betreuung für den Einstieg in die Arbeitswelt geben soll. Eindrücklich wirkt die Nähe und schonungslose Offenheit, die der Film vermittelt.

Where We Belong

Where We Belong, Jacqueline Zünd

8. April 2020 – 18 Uhr

Where We Belong

Schweiz 2019 – 78 Minuten – Dokumentarfilm – Französisch und Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Jacqueline Zünd
in Anwesenheit des Kameramanns Nikolai von Graevenitz

Die Eltern trennen sich, eine Familie zerfällt. Aus dem, was einst als Einheit galt, entstehen zwei getrennte Welten. In ständigem Übergang leben die Kinder nun zwischen zwei Zuhause, Welten. WHERE WE BELONG nähert sich ihrer Realität und konzentriert sich darauf, wie zerbrechlich Kinder sind, aber auch wie mutig, klug und lustig sie auf ihre Situation reagieren.

Das Höllentor von Zürich

Das Höllentor von Zürich, Cyrill Oberholzer

3. April 2020 – 22 Uhr

Das Höllentor von Zürich
Schweiz 2018 – 93 Minuten – Spielfilm – Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Cyrill Oberholzer – B: Laura Stoll mit Laura Stoll

Laura Stoll spielt sich in dieser experimentellen Horrorsatire als naive und tollpatschige Künstlerin. Kind der digitalen Internetgeneration versucht sie sich aus ihrer misslichen Lage, sie steckt mit ihrem Zeigefinger im Abfluss der Badewanne fest, erst mit der üblichen Technik zu befreien, um dann ganz analog zu gehen.

Der Film ist ein Beispiel für einen mutigen, frischen Beitrag der jüngsten Schweizer Filmemachergeneration.

mit Vorfilm:
YORI
Schweiz 2018 – 10 Minuten – Spielfilm – Schweizerdeutsch, Koreanisch mit englischen Untertiteln – R: Hae-Sup Sin mit Hyun Teg Park, Peter Hottinger, Werner Biermeier

In einem koreanischen Restaurant kommt es zu einem folgenschweren Missverständnis.

Ceux qui travaillent

Ceux qui travaillent, Antoine Russbach

3. April 2020 – 20 Uhr

Ceux qui travaillent (Die, die arbeiten / Those Who Work)
Schweiz / Belgien 2018 – 100 Minuten – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Antoine Russbach mit Olivier Gourmet, Adèle Bochatay, Michel Voïta

Man müsse sich entscheiden, entweder gehöre man im Leben zu denen, die arbeiten oder zu denen, die Träumen nachjagen und den anderen auf der Tasche liegen. Damit fühlt Frank dem Freund seiner Tochter auf den Zahn. Selbst hat er sich aus bescheidenen Verhältnissen durch Fleiss in eine verantwortungsvolle Führungsposition hinaufgearbeitet. In seinem Büro am Genfer See koordiniert er Handelsschiffe für verschiedene Unternehmen und jongliert täglich mit hohen Geldsummen.

„Ceux qui travaillent“ porträtiert mit unterkühlten, fast dokumentarischen Bildern einen Mann, der sich durch seine Arbeit definiert, einen Archetypen des Familienvaters und Ernährers. Die einprägsame Darstellung durch den belgischen Schauspieler Oliver Gourmet ruft soviel Antipathie wie Mitgefühl hervor. „Ceux qui travaillent“ versteht sich als Kritik unserer konsumorientierten Gesellschaft. Unser Wohlstand beruht auf Ausbeutung, Ausbeutung von Arbeitskräften, von natürlichen Ressourcen und schliesslich auch auf einer Selbstausbeutung, diktiert von einem Leistungsprinzip, das Menschen nach materialistischen Erwägungen in Gewinner und Verlierer einteilt.

Vaters Garten

Vaters Garten, Peter Liechti

3. April 2020 – 18 Uhr

Vaters Garten
Schweiz 2013 – 93 Minuten – Hybrid Spiel- und Dokumentarfilm – Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Peter Liechti – S: Tania Stöcklin mit Peter Liechti
in Anwesenheit der Schnittmeisterin Tania Stöcklin

Peter Liechti entwickelte einen eigenen Stil des dokumentarisch-essayistischen Kunstfilms. In „Vaters Garten“, dem zweiten autobiografisch motivierten Film nach „Hans im Glück“, besucht er seine Eltern in St. Gallen. Teile aus den Gesprächen spielt er mit Hasenpuppen nach. Die „kleinbürgerliche“ Weltanschauung und Pedanterie der Eltern missfallen dem Sohn sehr. Die Missstimmung spiegelt den Konflikt zwischen den Mentalitäten der ersten und zweiten Nachkriegsgenerationen wieder. Die Stärken des Films sind seine scharfsinnige Beobachtung und die Allgemeingültigkeit der gesellschaftspolitischen Aussage.