Bäckerei Zürrer

Bäckerei Zürrer, Kurt Früh

von Kurt Früh, 1957, 104 min.

10. April I 18 Uhr

Der verwitwete Bäckermeister Zürrer musste seine drei Kinder alleine großziehen. Es missfällt ihm, dass sein jüngster Sohn, der die Bäckerei übernehmen soll, von der Tochter des italienischen Kleinhändlers Pizzani ein Kind erwartet, da er sie nicht in seiner Familie haben möchte. Für die 1950er Jahre war eine solche Mischehe noch weit konfliktbehafteter als heute.

Dieses Gesellschaftsdrama mit versöhnlichem Ende gilt als das erste eigenständige Projekt des Regisseurs Kurt Früh. Er avancierte zu einem Meilenstein des Schweizer Films mit einer hervorragenden Besetzung und der Komposition der Filmmusik durch Walter Baumgartner, der auch „Hinter den sieben Gleisen“, zwei Jahre später entstanden, mitverantwortete.

Regie: Kurt Früh I Musik: Walter Baumgartner I Darsteller: Emil Hegetschweiler, Ettore Cella, Margrit Winter, Peter Brogle, Walter Morath I Verleih: Praesens-Film, Zürich
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Vorfilm: Anka Schmid präsentiert ein Kaleidoskop industrieller Produktionsprozesse: Dizzywork, 2006, 1 min. 20 sek.

Signers Koffer

von Peter Liechti, 1996, 80 min.

9. April I 18 Uhr

Hochvergnügliche Dokumentation von Peter Liechti über den Aktionskünstler Roman Signer. Der Film begleitet den Künstler zu Schauplätzen, die seinen archaischen Inszenierungen entgegenkommen. So dienen der Krater des Stromboli, Geysire auf Island oder die Industriewüste von Bitterfeld als Kulisse. Hochkonzentriert setzt er sich ins Verhältnis zu den Urgewalten der Natur und erstellt scheinbar absurde Skulpturen des Zufalls. (Claus Löser)

Regie: Peter Liechti I mit Roman Signer I Verleih: Peter Liechti Filmproduktion
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Magic Matterhorn

Anka Schmid, Magic Matterhorn

von Anka Schmid, 1995, 85 min.

8. April I 20 Uhr

Das Matterhorn als Wahrzeichen der Schweiz nimmt Anka Schmid als Ausgangsmotiv für ihren essayistischen Dokumentarfilm über das Konzept Heimat. Täglich pilgern Touristen aus aller Welt hierher in den Kurort Zermatt, das als einer der wenigen autofrei ist. Was sehen sie eigentlich? Und wie leben die Einheimischen an diesem berühmten Ort? Zu Wort kommen Zermatter Teilzeitbauern, ein Schweizer Disneyland-Jodler in Kalifornien und die Kabarett-Kultgruppe Geschwister Pfister. Anka Schmid hat einen Heimatfilm geschaffen, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt und unterhält.

Regie: Anka Schmid I mit Auftritt von Geschwister Pfister
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln, 35 mm

Vorfilme:
Urs Breitenstein beschäftigt sich in „Film-Streifen“, 1979, 3 min. 40 sek. mit dem Ursprungsmaterial Film selbst.

Ruedi Bind schaut auf Fassaden in „Fenster A“, 1980, 10 min.

Giulias Verschwinden

von Christoph Schaub, 2009, 87 min.

8. April I 18 Uhr

Aus Anlass ihres 50. Geburtstages kommen Giulias (Corinna Harfouch) Freunde zu einer Feier in einem Restaurant zusammen. Doch das Geburtstagskind lässt auf sich warten, treibt in der Stadt herum. Genauso wie sie haben auch ihre Freunde mit dem Älterwerden ihre Schwierigkeiten, ihre Gespräche schwanken zwischen Frust und Amüsement.

Christoph Schaub hat ein stimmungsvolles leichtes Kinostück über eines der schwerwiegenden menschlichen Themen gemacht, nicht zuletzt, weil aus diesem nicht der Hochmut der Heutigen spricht. Nicht die sonnenstudiogebräunte, ewig fitte, penetrant gutgelaunte Klientel der Anti-Aging-Industrie führt hier das Wort, sondern die Nachsicht der Gestrigen, die den Beleidigungen des Älterwerdens mal mehr, mal weniger souverän, aber jedenfalls humorvoll begegnen. (Claudia Schwartz, NZZ)

In der männlichen Hauptrolle istder kürzlich verstorbene Bruno Ganz zu erleben.

Regie: Christoph Schaub I Drehbuch: Martin Suter I Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, Sunnyi Melles, André Jung, Daniel Rohr I Verleih: Warner Bros.
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln, 35 mm

Zeit-fragen

von Reinhard Manz, 1986-87, 16 min.

Vorfilm am 6. April I 19:45 Uhr

Reinhard Manz hat sich auf einen der belebtesten Plätze und Tramknotenpunkte Zürichs gestellt und den Passanten das Mikrofon vor den Mund gehalten. Seine immer gleiche Frage: „Haben Sie Zeit?“

Dene wos guet geit (Die, denen es gut geht)

Dene wos guet geit, Cyril Schäublin, Silvan Hillemann

von Cyril Schäublin, 2017, 71 min.

6. April I 19:45 Uhr

Selbst produziert mit wenigen Mitteln und einer bezwingend eigenständigen sowie minimalistischen Kameraführung haben Regisseur Cyril Schäublin und Kameramann Silvan Hillemann mit „Dene wos guet geit“ ein unaufgeregtes, doch beklemmendes Zeitbild geschaffen. Von Zynismus und trockenem Humor geprägt, sprühen aus dem allgemeinen Grau des Bildes die Funken.

Eine junge Telefonistin versucht, auf eine schnellere Weise parallel zu ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Sie gibt sich bei älteren Menschen als Enkelin in finanziellen Nöten aus, und prellt sie um ihr Geld.

Regie: Cyril Schäublin I Kamera: Silvan Hillemann I Darsteller: Liliane Amuat,
Margot Gödrös, Valentin Merz
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Gäste: Cyril Schäublin, Reinhard Manz

Aloys

von Tobias Nölle, 2016, 91 min.

6. April I 18 Uhr

„Wir melden uns bei Ihnen“. Erst denkt man, Aloys (Georg Friedrich) meine damit sich und seinen Vater, mit dem er eine Privatdetektei betreibt. Doch auch nach dem Tod des Vaters spricht er noch in der dritten Person von sich. Der Kontakt zu anderen im Allgemeinen fällt ihm sehr schwer. Am liebsten versteckt er sich hinter seiner Kamera, kommuniziert nur das Nötigste mit seinen Kunden, und auch die abendliche Bestellung beim Chinesen „Eine Portion Reis zum Mitnehmen“ lässt keine Überschwänglichkeit zu.

Das Spielfilmdebüt des Schweizers Tobias Nölle überzeugt durch ästhetische und formale Konsequenz sowie durch inhaltliche Relevanz. Der porträtierte Sonderling wird nie der Lächerlichkeit preisgegeben, er steht vielmehr stellvertretend für jeden, der in unserer anonymisierten Gesellschaft Anschluss und Liebe sucht und weiß, welcher Herausforderung man sich dabei stellt. Aloys erzählt im Kleinen eine Geschichte der Selbstemanzipation, nimmt Partei für Individualität und die Wichtigkeit von Fantasie und Träumen.

Regie: Tobias Nölle I Darsteller: Georg Friedrich, Tilde von Overbeck
Fassung: Schweizerdeutsch mit deutschen Untertitel