Le livre d’image (Bildbuch)

Le livre d'image, Jean-Luc Godard

von Jean-Luc Godard, 2018, 84 min.

9. April I 20 Uhr

Dass Godard Schweizer ist, wird oft vergessen – zu eng sind sein Leben und sein Werk mit dem französischen Kino, vor allem mit dem Aufstieg der „Nouvelle Vague“ Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre verbunden. Seit langer Zeit aber lebt er in Rolle am Genfer See, wo sein kleines Haus zugleich als persönliches Refugium und medienanalytisches Laboratorium fungiert. Mit Le livre d‘image (engl.: The Image Book, dt.: Bildbuch) greift der Meister seine seit „Histoire(s) du cinéma“ (1988-1998) immer weiter entwickelte Montagetechnik auf, mit der Fragmente aus eigenen und fremden Filmen, Gemälden, literarischen Zitaten und Tonsignalen unterschiedlichster Herkunft zu einem energetisch hoch aufgeladenem Strom von Assoziationen eingeschmolzen werden.

Mit fast 90 Jahren Lebensalter mutet jede neue Arbeit Godards zwangsläufig wie ein Testament an. Im Fall von „Le livre d‘image“ drängt sich dieser Eindruck noch stärker auf: Besingt er doch einmal mehr das Kino in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Benutzbarkeit zwischen Utopie und Demagogie. Er stemmt sich dem Ende des cineastischen Zeitalters mit einem weiteren Werk entgegen – so gesehen, ist dieser Film durchaus ein optimistisches Statement. (Claus Löser)

Regie: Jean-Luc Godard I Kamera: Fabrice Aragno, Jean-Luc Godard, Jean-Paul Battaggia I Verleih: Grandfilm
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Bonobo

von Zoel Aeschbacher, 2017, 18 min.

5. April I 19 Uhr

Der Lift in einem ist ständig kaputt. Das haben die Bewohner des Sozialwohnblocks in Bonobo gemeinsam, ansonsten kämpft jeder an eigener Front mit seinen Problemen.

Regie: Zoel Aeschbacher I Darsteller: Nicole Mersey, Paul Minthe, Benjamin Sanou I Verleih: Salaud Morrisset
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Journal de ma tête (Tagebuch meines Kopfes)

von Ursula Meier, 2017, 70′

5. April I 19 Uhr

Ursula Meier erzählt mit ihrem formal anspruchsvollen Werk die Geschichte eines Schülers (Kacey Mottet Klein), der ohne ersichtlichen Grund seine Eltern erschießt. Vorher hat er in einem Tagebuch minutiös seine Absichten niedergeschrieben und dies seiner Französischlehrerin, gespielt von Fanny Ardant, überlassen.
Als Miniserie aus vier Episoden haben französischsprachige Regisseure unter dem Titel „Ondes de choc“ („Schockwellen“) vier brutale Kriminalfälle der Schweiz fiktional inszeniert. Die Serie thematisiert Eruptionen unfasslicher Gewalt, die auch hochpazifizierte Gesellschaften wie die schweizerische heimsuchen
können.

Regie: Ursula Meier I Darsteller: Kacey Mottet Klein, Fanny Ardant I Verleih: Bande à part
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

L’invitation (Die Einladung)

L'invitation, Claude Goretta, 1973

von Claude Goretta, 1973, 100 min.

4. April I 19:30 Uhr

Mit L’invitation schuf Claude Goretta ein Gesellschaftssatire, die die Bourgeoise der 1970er Jahre ins Visier nimmt. Ein einfacher Büroangestellter erbt von seiner Mutter eine Villa mit Grundstück und lädt zur Einweihung seine Kollegen zu einem Sommerfest ein. Der Geschmack und die Wertvorstellungen zweier Generationen prallen nach und nach aneinander, der Alkohol reduziert die Contenance, und schließlich sehnen sich alle nach dem erlösenden Ende. Der Film gewann 1973 den Jurypreis beim Festival in Cannes und wurde als bester fremdsprachiger Film für die Oscars nominiert.

Claude Goretta war gemeinsam mit Alain Tanner, Michel Soutter, Jean-Louis Roy und Jean-Jacques Lagrange Mitbegründer der „Groupe 5“, die von der französischen Schweiz und insbesondere Genf aus einen wichtigen Beitrag zum Neuen Schweizer Film leistete. Inspiriert von der französischen „Nouvelle Vague“ und diese fortführend, schufen sie in eigener Bildsprache gesellschaftskritische Werke, die denen ihres Landsmanns Godard in der allgemeinen Aufmerksamkeit allerdings immer einen Schritt hinterher bleiben sollten. Mitte Februar starb Goretta kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Regie: Claude Goretta I Darsteller: Michel Robin, François Simon, Jean-Luc Bideau I Verleih: Jupiter Film, Paris
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Vorfilme:
Pierre Monnard hat für seine Emmentaler-Werbung den ADC Award gewonnen und war auf der Cannes Lions Short List.

Für die Kindersendung Scacciapensieri, die immer noch jeden Samstag auf dem TV-Sender der italienischen Schweiz RSI läuft, wurde 1973 von Bruno Bozzetto und Guido Manuli die Figur „Stripy“ erfunden.