Garçon stupide

Garçon stupide, Lionel Baier

2. August 2021 – 20:30 Uhr

Garçon stupide (Dummer Junge)
Schweiz 2004 – 94 Minuten – 35 mm – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Lionel Baiser – B: Lionel Baier, Laurent Guido mit Pierre Chatagny, Natacha Koutchoumov, Rui Pedro Alves

Loïc weiß nicht, was er mit sich anfangen soll. Er hat keine Arbeit und kein Geld, daher spart er beim Essen und stopft sich den Magen mit einer Aspirinzubereitung. Nachts streift er durch die Straßen von Bulle oder Lausanne und trifft sich mit Freiern, die ihn für Sex bezahlen. Regelmäßig übernachtet er bei seiner Freundin Marie, die, im Gegensatz zu ihm, ein Ziel im Leben hat. Als sie plötzlich einen festen Freund

Mit dieser Film ist das Spielfilmdebüt des Lausanner Regisseurs Lionel Baier. Er zeichnet das Porträt eines jungen Mannes, der aus Mangel an Stimuli in einen stumpfen Trott verfallen ist, aber durch neue Wertschätzung und Zuneigung anfängt, sich umzusehen im Leben und versucht, herauszufinden, was für noch alles möglich ist.

Neuland

neuland

4. August 2021 – 18:00 Uhr

Neuland
Schweiz 2013 – 93 Minuten – Dokumentarfilm – Schweizer Deutsch und Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Anna Thommen
in Anwesenheit der Regisseurin

Eine Gruppe von Jugendlichen steht kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben. Jeder von ihnen hat seine eigene Vorstellung für seine Zukunft, doch ihre Voraussetzungen sind schlechter als die von anderen. Sie haben nicht von Anfang an die Schule in der Schweiz besucht, sprechen noch gebrochen Deutsch und können auf kein bestehendes soziales Umfeld zurückgreifen. Ihre Chancen glichen denen des Fußballclubs des FC Basel gegen Manchester United zu gewinnen, David gegen Goliath. Und doch habe es Basel durch harte Arbeit ganz an dich Spitze geschafft.

Die Basler Regisseurin Anna Thommen hat eine sogenannte Integrationsklasse begleitet, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine intensive Betreuung für den Einstieg in die Arbeitswelt geben soll. Eindrücklich wirkt die Nähe und schonungslose Offenheit, die der Film vermittelt.

Where We Belong

Where We Belong, Jacqueline Zünd

3. August 2021 – 18:00 Uhr

Where We Belong
Schweiz 2019 – 78 Minuten – Dokumentarfilm – Französisch und Schweizer Deutsch mit deutschen Untertiteln – R: Jacqueline Zünd
in Anwesenheit des Kameramanns Nikolai von Graevenitz

Die Eltern trennen sich, eine Familie zerfällt. Aus dem, was einst als Einheit galt, entstehen zwei getrennte Welten. In ständigem Übergang leben die Kinder nun zwischen zwei Zuhause, Welten. WHERE WE BELONG nähert sich ihrer Realität und konzentriert sich darauf, wie zerbrechlich Kinder sind, aber auch wie mutig, klug und lustig sie auf ihre Situation reagieren.

Ceux qui travaillent

Ceux qui travaillent, Antoine Russbach

30. Juli 2021 – 21:30 Uhr

Ceux qui travaillent (Die, die arbeiten / Those Who Work)
Schweiz / Belgien 2018 – 100 Minuten – Spielfilm – Französisch mit deutschen Untertiteln – R: Antoine Russbach mit Olivier Gourmet, Adèle Bochatay, Michel Voïta

Man müsse sich entscheiden, entweder gehöre man im Leben zu denen, die arbeiten oder zu denen, die Träumen nachjagen und den anderen auf der Tasche liegen. Damit fühlt Frank dem Freund seiner Tochter auf den Zahn. Selbst hat er sich aus bescheidenen Verhältnissen durch Fleiss in eine verantwortungsvolle Führungsposition hinaufgearbeitet. In seinem Büro am Genfer See koordiniert er Handelsschiffe für verschiedene Unternehmen und jongliert täglich mit hohen Geldsummen.

„Ceux qui travaillent“ porträtiert mit unterkühlten, fast dokumentarischen Bildern einen Mann, der sich durch seine Arbeit definiert, einen Archetypen des Familienvaters und Ernährers. Die einprägsame Darstellung durch den belgischen Schauspieler Oliver Gourmet ruft soviel Antipathie wie Mitgefühl hervor. „Ceux qui travaillent“ versteht sich als Kritik unserer konsumorientierten Gesellschaft. Unser Wohlstand beruht auf Ausbeutung, Ausbeutung von Arbeitskräften, von natürlichen Ressourcen und schliesslich auch auf einer Selbstausbeutung, diktiert von einem Leistungsprinzip, das Menschen nach materialistischen Erwägungen in Gewinner und Verlierer einteilt.

Le livre d’image (Bildbuch)

Le livre d'image, Jean-Luc Godard

von Jean-Luc Godard, 2018, 84 min.

9. April I 20 Uhr

Dass Godard Schweizer ist, wird oft vergessen – zu eng sind sein Leben und sein Werk mit dem französischen Kino, vor allem mit dem Aufstieg der „Nouvelle Vague“ Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre verbunden. Seit langer Zeit aber lebt er in Rolle am Genfer See, wo sein kleines Haus zugleich als persönliches Refugium und medienanalytisches Laboratorium fungiert. Mit Le livre d‘image (engl.: The Image Book, dt.: Bildbuch) greift der Meister seine seit „Histoire(s) du cinéma“ (1988-1998) immer weiter entwickelte Montagetechnik auf, mit der Fragmente aus eigenen und fremden Filmen, Gemälden, literarischen Zitaten und Tonsignalen unterschiedlichster Herkunft zu einem energetisch hoch aufgeladenem Strom von Assoziationen eingeschmolzen werden.

Mit fast 90 Jahren Lebensalter mutet jede neue Arbeit Godards zwangsläufig wie ein Testament an. Im Fall von „Le livre d‘image“ drängt sich dieser Eindruck noch stärker auf: Besingt er doch einmal mehr das Kino in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Benutzbarkeit zwischen Utopie und Demagogie. Er stemmt sich dem Ende des cineastischen Zeitalters mit einem weiteren Werk entgegen – so gesehen, ist dieser Film durchaus ein optimistisches Statement. (Claus Löser)

Regie: Jean-Luc Godard I Kamera: Fabrice Aragno, Jean-Luc Godard, Jean-Paul Battaggia I Verleih: Grandfilm
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Bonobo

von Zoel Aeschbacher, 2017, 18 min.

5. April I 19 Uhr

Der Lift in einem ist ständig kaputt. Das haben die Bewohner des Sozialwohnblocks in Bonobo gemeinsam, ansonsten kämpft jeder an eigener Front mit seinen Problemen.

Regie: Zoel Aeschbacher I Darsteller: Nicole Mersey, Paul Minthe, Benjamin Sanou I Verleih: Salaud Morrisset
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Journal de ma tête (Tagebuch meines Kopfes)

von Ursula Meier, 2017, 70′

5. April I 19 Uhr

Ursula Meier erzählt mit ihrem formal anspruchsvollen Werk die Geschichte eines Schülers (Kacey Mottet Klein), der ohne ersichtlichen Grund seine Eltern erschießt. Vorher hat er in einem Tagebuch minutiös seine Absichten niedergeschrieben und dies seiner Französischlehrerin, gespielt von Fanny Ardant, überlassen.
Als Miniserie aus vier Episoden haben französischsprachige Regisseure unter dem Titel „Ondes de choc“ („Schockwellen“) vier brutale Kriminalfälle der Schweiz fiktional inszeniert. Die Serie thematisiert Eruptionen unfasslicher Gewalt, die auch hochpazifizierte Gesellschaften wie die schweizerische heimsuchen
können.

Regie: Ursula Meier I Darsteller: Kacey Mottet Klein, Fanny Ardant I Verleih: Bande à part
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

L’invitation (Die Einladung)

L'invitation, Claude Goretta, 1973

von Claude Goretta, 1973, 100 min.

4. April I 19:30 Uhr

Mit L’invitation schuf Claude Goretta ein Gesellschaftssatire, die die Bourgeoise der 1970er Jahre ins Visier nimmt. Ein einfacher Büroangestellter erbt von seiner Mutter eine Villa mit Grundstück und lädt zur Einweihung seine Kollegen zu einem Sommerfest ein. Der Geschmack und die Wertvorstellungen zweier Generationen prallen nach und nach aneinander, der Alkohol reduziert die Contenance, und schließlich sehnen sich alle nach dem erlösenden Ende. Der Film gewann 1973 den Jurypreis beim Festival in Cannes und wurde als bester fremdsprachiger Film für die Oscars nominiert.

Claude Goretta war gemeinsam mit Alain Tanner, Michel Soutter, Jean-Louis Roy und Jean-Jacques Lagrange Mitbegründer der „Groupe 5“, die von der französischen Schweiz und insbesondere Genf aus einen wichtigen Beitrag zum Neuen Schweizer Film leistete. Inspiriert von der französischen „Nouvelle Vague“ und diese fortführend, schufen sie in eigener Bildsprache gesellschaftskritische Werke, die denen ihres Landsmanns Godard in der allgemeinen Aufmerksamkeit allerdings immer einen Schritt hinterher bleiben sollten. Mitte Februar starb Goretta kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Regie: Claude Goretta I Darsteller: Michel Robin, François Simon, Jean-Luc Bideau I Verleih: Jupiter Film, Paris
Fassung: Französisch mit deutschen Untertiteln

Vorfilme:
Pierre Monnard hat für seine Emmentaler-Werbung den ADC Award gewonnen und war auf der Cannes Lions Short List.

Für die Kindersendung Scacciapensieri, die immer noch jeden Samstag auf dem TV-Sender der italienischen Schweiz RSI läuft, wurde 1973 von Bruno Bozzetto und Guido Manuli die Figur „Stripy“ erfunden.