Film:Schweiz

Grußwort von Emil Steinberger zum Film:Schweiz 2019

Liebe Besucher und Besucherinnen des Schweizer Filmfestivals,
Einen solchen Strauss von Schweizer Filmen serviert zu bekommen, hat etwas Einmaliges an sich. Die Auswahl markiert wirklich unser Leben und Denken in der Schweiz. Das heisst, wir befassen uns mit Weltproblemen, menschlichem Verhalten, das naiv aber auch weltoffen sein kann. Wir verstehen es auch, Filme zu machen, die spannend und unterhaltend sind und trotzdem mit Tiefgang uns begegnen.

Ehrlich, wenn ich als Schweizer die Filmliste durchgehe, darf ich erfreut sein, dass mit so geringen Geldmitteln, die für die Filmkultur gesprochen werden, so beachtliche Filme entstehen können. Natürlich ist die Liste der ausgewählten Filme leider nicht das Resultat von Filmproduktionen der letzten zwei Jahre, nein, die Zeitspanne der Entstehung ist viel grösser.

Ich wünsche dem Publikum und den Schweizer-Filmemachern, dass solche Filme zukünftig in kürzeren Intervallen auf der Leinwand erscheinen können.

Die Berliner Filmauswahl ist jedenfalls für jeden Besucher eine Bereicherung.

Herzlich,
Emil Steinberger
2019

Vorwort zur ersten Ausgabe des Film:Schweiz

1896 wurde einem staunenden Schweizer Publikum an der Genfer Landesausstellung der Kinematograph der französischen Lumière-Brüder präsentiert. Es sollten noch rund 35 Jahre vergehen, bis sich ein eigenständiges Schweizer Filmschaffen entwickelte. Trotz der bescheidenen Grösse des Filmmarktes und der sprachlichen Zersplitterung wuchs das Schweizer Filmschaffen zwischen 1930 und 1960 stetig. Auch die Filmkrise der 1960er Jahre wurde nach einer Neuorientierung und dem Entstehen des «Jungen Schweizer Film» gemeistert. Die Geschichte des Schweizer Filmschaffens seit den 1930er Jahren detailliert aufzurollen, würde den Rahmen eines Vorworts natürlich sprengen.

Unbestritten ist, dass der Schweizer Film national, aber auch international in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat. Wurden beispielsweise 1970 noch 22 Langfilme produziert, waren es 2010 bereits 100, 2016 immerhin 88 Langfilme. Und auch wenn der Marktanteil des Schweizer Films eher klein ist, 2016 betrug dieser in der Schweizer Kino-Landschaft 4,4%, so hat das Schweizer Filmschaffen immer wieder auch die internationale Kritik überzeugt. Die sprachliche Zersplitterung ist noch immer ein wichtiges Element der Schweiz – sie setzt mitunter Grenzen, trägt aber auch zu einer einzigartigen Vielfalt bei.

Mit Film:Schweiz, dem ersten Festival in Berlin für Filme aus der Schweiz wird diese besondere Vielfalt des Schweizer Filmschaffens gewürdigt. Die Auswahl kann sich wahrlich sehen lassen: Von Kurt Frühs «Hinter den sieben Gleisen» aus dem Jahre 1959, über Rolf Lyssys «Die Schweizermacher» von 1978 – mit über 940‘000 Eintritten der noch immer erfolgreichste Schweizer Film – bis hin zu der von 10 Regisseuren geschaffenen Dystopie «Heimatland» aus dem Jahr 2016 wird dem Publikum eine kleine, aber feine Gesamtschau des Schweizer Films der vergangenen Jahrzehnte geboten.

Die Tatsache, dass das Berliner Publikum nun in den Genuss eines Festivals des Schweizer Films kommt, ist der Leidenschaft und dem unermüdlichen Engagement von Teresa Vena zu verdanken. Ich freue mich natürlich auch, dass die Veranstaltung auch von Institutionen aus der Schweiz, wie u.a. dem Kanton Nidwalden, der Stadt Bern und Pro Helvetia mitgetragen wird. Und zu guter Letzt gebührt ein besonderer Dank natürlich auch der «Brotfabrik», die als Veranstaltungspartner auftritt und dem Festival einen festen Ort gibt.

Das Gründungsjahr des Festivals 2017 war für den Schweizer Film ein besonders erfolgreiches Jahr, das Festival steht damit sicher unter einem guten Stern. Ich freue mich auf die Festivalstage 2018 und bin gespannt, wie sich das Festival weiter entwickeln wird.

Rascha Osman
Botschaftsrätin / Leiterin der Kulturabteilung
Schweizer Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland